LingoScience der Logostudienpodcast

LingoScience - der Logostudienpodcast

Evidenz auf die Ohren!

Wir möchten Forschung und Praxis der Logopädie  zusammenbringen. 

Deshalb werden hier regelmäßig aktuelle und relevante Studien der Sprachtherapie  leicht verständlich auf den Punkt gebracht. Diese lassen sich zur Teamsitzung, zum Ausklang des Arbeitstages oder auf dem Weg zur Praxis bequem als Podcast anhören.

Mit LingoScience in 10 Minuten Wissen für die logopädische Praxis tanken.

Der Therapiealltag stellt uns jeden Tag vor Herausforderungen. Der Behandlungsplan ist voll. Dazwischen gilt es zu lüften, zu desinfizieren, zu dokumentieren, die nächste Sitzung vorzubereiten, zu telefonieren, zu organisieren und auch kurz für das eigene Wohl zu sorgen. Der Anspruch an „best practice“ für alle Betroffenen lässt sich oft nur schwer umsetzen. Die Zeit ist knapp,  Literaturrecherche wird nicht vergütet. Wer dennoch auf dem Laufenden sein möchte und Interesse an Neuigkeiten aus der logopädischen Forschung hat, findet hier die Lösung.

LingoScience berichtet über spannende aktuelle Erkenntnisse in der Logopädie, aber auch wegweisende Forschungsergebnisse der Vergangenheit werden vorgestellt. Eine Podcast-Folge befasst sich dabei stets mit einer bestimmten Studie zum Thema Aphasie, Dysarthrie, Sprechapraxie oder neurogener Dysphagie.  Zum Ende werden umsetzbare Schlussfolgerungen für den Praxisalltag gezogen.

Was Sie im Einzelnen erwartet, sehen Sie in der Kurzbeschreibung der jeweiligen Folge von LingoScience.

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In der klinischen Praxis zeigen sich gute Erfahrungen mit MFT nach Garliner, die wissenschaftliche Evidenzlage ist jedoch nach wie vor sehr dünn. Es braucht eine objektive quantitative und qualitative Messung um belastbare Aussagen zur Wirksamkeit treffen zu können. Diese Lücke versuchen Begnoni et al. zu schließen.

Begnoni, G., Dellavia, C., Pelligrini, G., Scarponi, L., Schindler, A., Pizzorni, N. (2020). The efficacy of myofunctional therapy in patients with atypical swallowing. Eur Arch Otorhinolaryngol, 277, 2501-2511.

Viel hilft viel in der Aphasietherapie, so der allgemeine Tenor. Doogan und Team (2018) haben sich das Zusammenspiel von Dosis, Intensität, Zeitpunkt und zeitlicher Verteilung in der Therapie genauer angeschaut und kommen zu anderen Schlüssen.

Doogan, C., Dignam, J., Copland, D., Leff, A. (2018): Aphasia Recovery: When, how and who to treat?. Current Neurological Neuroscience Report,18-90.

Schluckstörungen treten bekanntermaßen nach Schlaganfällen oder bspw. bei Demenzerkrankungen auf. Leslie und Smithard untersuchten in einer Fragebogenstudie die Prävalenz von Schluckstörungen und kamen dabei zu spannenden Ergebnissen.

Leslie, P. & Smithard, D.G. (2021). Is dysphagia under diagnosed or is normal swallowing more vari-able than we think? Reported swallowing problems in people aged 18-65 years. In: Dysphagia, 36 (5), 910–918. doi.org/10.1007/s00455-020-10213-z.

Der phonomotorische Therapieansatz (kurz PMT) vereint Sprachproduktion und Wahrnehmungsaufgaben. Im Fokus stehen Wiederholung, Modellierung, verbale Aufforderungen, visuelle Reize und hochfrequentes Üben.

Bislick, L. (2020). A Phonomotor Approach to Apraxia of Speech Treatment. American Journal of Speech-Language Pathology, 29. 2109–2130. https://doi.org/10.1044/2020_AJSLP-19-00116.

Der Brief Executive Language Screen BELS erfasst die wichtigsten sprachlichen und exekutiven Funktionen, die für die Spontansprache benötigt werden und ergänzt damit bisherige Aphasiediagnostikverfahren.

Robinson, G. A., Shi, L., Nott, Z., & Ceslis, A. (2021). A brief executive language screen for frontal aphasia. Brain Sciences, 11(3). doi.org/10.3390/brainsci11030353.

Nicholas und Team vergleichen die sprachlichen und exekutiven Leistungen in Bezug auf die Lebensqualität bei Menschen mit Aphasie und machen dabei eine spannende Entdeckung.

Nicholas, M., Hunsaker, E. & Guarino, A. J. (2017). The relation between language, non-verbal cogni-tion and quality of life in people with aphasia. Aphasiology, 31 (6), 688-702.

Wie kann natürliche Kommunikation definiert oder gemessen werden? Welche bereits vorhandenen Diagnostikmittel werden einer theoretischen Definition gerecht?

Doedens, W. J. and Meteyard, L. (2020). Measures of functional, real-world communication for aphasia: a critical review. Aphasiology, 34 (4). pp. 492-514.

Die Corona-Pandemie bedeutet viele Herausforderungen in allen Lebensbereichen. Auch auf die Neurorehabilitation hat sich die Pandemie ausgewirkt. Vieles deutet auf eine wichtige Rolle der Sprachtherapie in diesem Zusammenhang hin.

Chadd, K., Moyse, K. & Enderby, P. (2021). Impact of COVID-19 on the Speech and Language Therapy Profession and Their Patients. Front. Neurol. 12:629190. DOI: 10.3389/fneur.2021.629190.

Das McNeill-Programm wurde bereits durch mehrere Studien evaluiert. Die Studie von Carnaby und ihrem Team untersuchte nun die Wirksamkeit des McNeill-Programms mit begleitender NMES bei Dysphagie nach Schlaganfall im postakuten Stadium.

Carnaby, G. D., LaGorio, L., Silliman, S., Crary, M. (2020). Exercise-based swallowing intervention (McNeill Dysphagia Therapy) with adjunctive NMES to treat dysphagia post-stroke: A double-blind placebo-controlled trial. J Oral Rehabil, 47, 501–510. DOI: 10.1111/joor.12928.

Das McNeill-Dysphagietherapie-Programm ist ein systematisches, übungsbasiertes Therapiekonzept für die Behandlung von Dysphagie bei Erwachsenen.

Crary, M. A., Carnaby, G. D., LaGorio, L. S., Carvajal, P. J. (2012). Functional and Physiological Outcomes from an Exercise-Based Dysphagia Therapy: A Pilot Investigation of the McNeill Dysphagia.

Die aktuelle Standard-Versorgung nach einem Schlaganfall beinhaltet die Durchführung eines Dysphagie-Screenings. Aber obwohl die meisten Screenings eine gute Sensitivität aufweisen, wurde bis jetzt keines davon als Gold-Standard akzeptiert.

Lapa, S., Foerch, C., Singer, O.C., Hattingen, E. & Luger, S. (2021): Ischemic lesion location based on the ASPECT score for risk assessment of neurogenic dysphagia. In: Dysphagia, 36 (5). 882–890. DOI: 10.1007/s00455-020-10204-0.

Exekutive Funktionen, Aphasie und Kommunikation – wie hängen diese drei Begriffe zusammen? Diese zentrale Frage stellt sich die schwedische Arbeitsgruppe Camilla Olsson, Patrik Arvidsson und Monica Blom Johansson in ihrem Artikel von 2019.

Olsson, C., Arvidsson, P. & Blom Johansson, M. (2019). Relations between executive function, language, and functional communication in severe aphasia. Aphasiology, 33(7), 821–845. DOI: 10.1080/02687038.2019.1602813.

Welche Art von Hilfestellungen sind in der Therapie von Wortfindungsstörungen bei Personen mit Aphasie wirklich effektiv? Und welche Mechanismen stecken dahinter?

Lorenz, A. & Nickels, L. (2007). Orthographic cueing in anomic aphasia: How does it work? Aphasiology, 21:6-8, 670-686. DOI: 10.1080/02687030701192182.

Das Novafon wurde bis dato noch kaum in Studien zur Verbesserung der Zungenkraft untersucht. Deshalb haben Marianna Hricová und Sina Hammer ausgewertet, ob die Anwendung bei Störungen im Rahmen einer neurogenen Dysphagie nach Schlaganfall wirksam ist.

Hricová, M. & Hammer, S. (2021). Lokale Vibrationstherapie in der Neurorehabilitation – Eignet sich der intraorale Vibrationsspatel zur Verbesserung der Zungenkraft bei Schlaganfallpatienten? – Eine Pilotstudie. In Sprache Stimme Gehör, 45. S. 1–6.

Warum verlieren Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben ihre Freunde? fragten sich 2011 Dr. Sarah Northcott und Prof. Katerina Hilari von der City, University of London. Das untersuchten die beiden Sprachtherapeutinnen im Rahmen einer qualitativen Biographiearbeit.

Northcott S., Hilari K. (2011). Why do people lose their friends after a stroke?. In: International Journal of Language and Communication Disorders, 46 (5). S. 524-534.

Kommunikationsgruppen für Patienten und Patientinnen mit Aphasie sind vielerorts gängige Praxis. Sie verbessern nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten der Patienten und Patientinnen, sondern tragen auch zu einer Verbesserung derer psychosozialen Situation bei. Ein Aspekt dabei ist das Partizipationsmanagement: Wie lässt sich erreichen, dass alle Teilnehmenden der Gruppe sich gleichermaßen  an einer Gesprächssituation beteiligen, auch wenn sie unterschiedlich schwer von ihren aphasischen Symptomen betroffen sind?

Archer, Brent/Azios, Jamie H. /Gulick, Nora/Tetnowski, Jennifer (2021) Facilitating participation in conversation groups for aphasia, Aphasiology, 35:6, 764-782, DOI: 10.1080/02687038.2020.1812030.

Die „Intensive language-action therapy“ (ILAT), auch bekannt als „constraint-induced therapy“ (CIAT), hat sich bereits in mehreren Untersuchungen als effektive Therapiemethode bei chronischer Aphasie erwiesen. Das Ziel der vorgestellten Studie von Dreyer war es, herauszufinden, in welchen Gehirnarealen sich die sprachlichen Verbesserungen nach der intensiven Sprachaktivierungstherapie ILAT beobachten lassen.

Dreyer, F. R., Doppelbauer, L., Büscher, V., Arndt, V., Stahl, B., Lucchese, G., … & Pulvermüller, F. (2020). Increased recruitment of domain-general neural networks in language processing following Intensive Language-Action Therapy: fMRI evidence from people with chronic aphasia. American Journal of Speech-Language Pathology 1–11. DOI: 10.1044/2020_AJSLP-19-00150.

In der vorgestellten Einzelfallstudie geht es um eine mögliche Generalisierung von Therapieeffekten auf nicht geübtes Material. Kann Therapie von Wortfindungsstörungen generelle Verbesserungen in der mündlichen Produktion bewirken?

Greenwood, A., Grassly, J., Hickin, J., & Best, W. (2010). Phonological and orthographic cueing therapy: A case of generalised improvement. Aphasiology, 24(9), 991-1016.

Stark und Warburton fragen sich im Rahmen ihrer Untersuchung, ob durch Patientinnen und Patienten eigenständig durchgeführte Sprachtherapie die Intensität der Therapie unterstützen kann.

Stark, B. C. & Warburton, E. A. (2018). Improved language in chronic aphasia after self-delivered iPad speech therapy, Neuropsychological Rehabilitation, 28 (5), 818-831, DOI: 10.1080/09602011.2016.1146150.

Die From Controlled Experimental Trial to=2 Everyday Communication: Die von der GAB e.V. initiierte radomisiert-kontrollierte Interventionsstudie untersucht die Wirksamkeit von Sprachtherapie bei Menschen mit chronischen Aphasien. 156 Patient*innen aus deutschlandweit 19 Einrichtungen haben daran teilgenommen.

Breitenstein, C., Grewe, T., Flöel, A., Ziegler, W., Springer, L., Martus, P., et al. (2017). Intensive speech and language therapy in patients with chronic aphasia after stroke: a randomised, open-label, blinded-endpoint, controlled trial in a health-care setting. Lancet, 389(10078), 1528-1538.

In dieser LingoScience-Folge geht es erneut um den mündlichen Verbabruf. Die Studie von Rodriguez, Raymer und Gonzalez Rothi hatte zum Ziel, die Effekte von zwei verschiedenen Therapiemethoden zum Verbabruf zu vergleichen.

Rodriguez, A. D., Raymer, A. M., & Gonzalez Rothi, L. J. (2006). Effects of gesture+verbal and semantic-phonologic treatments for verb retrieval in aphasia. Aphasiology, 20(2–4), 286–297. https://doi.org/10.1080/02687030500474898.

Zu Therapiemethoden bei Wortfindungsschwierigkeiten gibt es unzählige Studien. Doch was hilft? Mit welcher Methode lassen sich Generalisierungen erzielen? Und was wirkt am besten?

Sze, W. P., Hameau, S., Warren, J., & Best, W. (2021). Identifying the components of a successful spoken naming therapy: a meta-analysis of word-finding interventions for adults with aphasia. Aphasiology 35 (1). 33-72. DOI:10.1080/02687038.2020.1781419.

Die Verb-Netzwerk-Stärkungs-Therapie verbessert den Wortabruf im Satzkontext.


Edmonds, L.A., Mammino, K., Ojeda, J. (2014). Effect of Verb Network Strengthening Treatment (VNeST) in Persons With Aphasia: Extension and Replication of Previous Findings. American Journal of Speech-Language Pathology, 23, 312-329.

Ein strukturiertes Script-Training kann bestimmte relevante Alltagssituationen für Aphasiebetroffene vereinfachen.

Youmans, G., Holland, A., Muñoz, M. & Bourgeois, M.  (2005) Script training and automaticity in two individuals with aphasia, Aphasiology, 19:3-5, 435-450.

Das conversational entrainment ist bei Menschen mit Dysarthrie meistens gestört, auch wenn diese nur geringgradig ausfällt. Das wiederum hat große Auswirkungen auf den Erfolg von Alltagskommunikation.


Borrie, S. A., Barrett, T. S., Liss, J. M., & Berisha, V. (2020). Sync pending: Characterizing conversational entrainment in dysarthria using a multidimensional, clinically-informed approach. Journal of Speech, Language, and Hearing Research, 63(1), 83–94.

Das hier durchgeführte sechswöchige kombinierte Training von Einatmungs- und Ausatemmuskulatur konnte keinen positiven Effekt auf die exspiratorische Muskelkraft, das Schlucken oder die Stimmqualität demonstrieren. Warum es trotzdem sinnvoll ist, Atemtraining in die Dysphagietherapie einzubinden.

Liaw, M. Y., Hsu, C. H., Leong, C. P., Liao, C. Y., Wang, L. Y., Lu, C. H., & Lin, M. C. (2020). Respiratory muscle training in stroke patients with respiratory muscle weakness, dysphagia, and dysarthria–a prospective randomized trial. Medicine, 99(10).

Dieser Studie zufolge gilt, dass eine intensive Aphasietherapie über eine kurze Zeitspanne effektiver ist, als eine weniger intensive Therapie über eine längere Zeitspanne hinweg.


Bhogal, S. K., Teasell, R. W., Foley, N. C., & Speechley, M. R. (2003). Rehabilitation of aphasia: more is better. Topics in Stroke Rehabilitation, 10(2), 66-76.

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